Bundestagswahl 2021: Die AfD und das Warten auf bessere Zeiten

Eine Analyse von Andreas Herteux, dem Leiter der Erich von Werner Gesellschaft.

Zuerst erschienen im AM: Analysen-Magazin

Niemand möchte mit ihr koalieren und doch wird sie wieder in den Bundestag einziehen. Die Rede ist von der Alternative für Deutschland. Doch wer ist die AfD? Woher kommt sie? Wer wählt die Partei? Was ist ihre Strategie und welche Chancen hat sie am kommenden Sonntag?

Die Wurzeln der AFD

Die Wurzeln der AfD liegen in einer kleineren Protestbewegungen gegen die Euro-Rettungspolitik aus deren Umfeld heraus die Alternative für Deutschland im Jahr 2013 gegründet wurde. Anfangs noch eine national- und wirtschaftsliberale „Professorenpartei“, änderte sich die Struktur in den kommenden Jahren massiv durch Austritte und zahlreiche neue Mitglieder in Richtung Nationalkonservatismus und Rechtspopulismus. Zumindest Teile der Partei oder Einzelpersonen standen oder stehen unter dem Verdacht des Rechtsextremismus und interne Konflikte sind ein Dauerthema.

Die AfD des Jahres 2021 ist mit der von 2013 daher nicht mehr vergleichbar. Beiden gemein ist allerdings, dass sie sich als Symbol gegen das Establishment etablieren konnten, in dem sie in Lücken gestoßen ist, die vor allem die einstigen Volksparteien mit ihrer Jagd nach der „neuen Mitte“ geöffnet haben und für ein solches ist das Pflegen des eigenen Images wichtiger als Inhalte.

Wer wählt die AfD?

Grundsätzlich ist der Wähler der Partei überwiegend männlich (60%), jung oder mittleren Alters und verfügt über einen mittleren (44%) bis guten Bildungsabschluss (31%). Die Alternative ist damit kein Sammelbecken der Ungebildeten, wie oftmals behauptet wird. Während Rentner die AfD bislang seltener wählen, ist die Partei sowohl für Arbeitslose als auch für Gutverdiener interessant.

Bei genauerer Betrachtung wird sehr schnell deutlich, dass sehr viele Urnengänger sich genau dort finden, wo die etablierten Parteien sich teilweise zurückgezogen haben: Ungefähr 22-25% der Wähler stammen aus der bürgerlichen Mitte, ca. 11-15% aus dem konservativ-etablierten Milieu und um die 15% aus den traditionellen Lebenswirklichkeiten. Hinzu kommt die prekäre Lebenswelt (ca. 15%), aus denen sich viele Protest- und Nichtwähler rekrutieren lassen. Erwähnenswert ist noch, dass die Alternative im Osten weitaus populärer ist als im Westen und dort letztendlich ihre politische Heimat gefunden hat.

Obwohl die Partei noch jung ist, kann daher inzwischen festgestellt werden, dass sie über einen festen Wählerkern von ungefähr 5% für die Bundestagswahlen verfügt. Der Rest wird gegen die Etablierten mobilisiert. Das maximale Potential dürfte bei ungefähr 20% legen. Allerdings gehen hier die Forschungsmeinungen auseinander. Die Erich von Werner Gesellschaft betrachtet die 20%, unter entsprechenden Bedingungen, als realistisch.

Wie ist die Wahlkampfstrategie der AfD?

Die Strategie der AfD lässt sich grob in sechs Vorhaben einteilen:

  1. Um jeden Preis als Alternative zum Establishment wahrgenommen werden
  2. Versuchen, ein Kernthema (z.B. Euro, Migration) zu besetzen, das mit der Partei verbunden wird
  3. Zu jedem anderen Thema (z.B. Rente) zumindest grundsätzliche Aussage machen können, um sich vom Image der Ein- oder Zwei-Themenpartei lösen zu können
  4. Online-Wahlkampf muss Nachteile bei Offline-Wahlkampf ausgleichen
  5. Politisch inkorrekt sein, um so den Sprung in die Massenmedien zu schaffen
  6. Milieukämpfe schüren und die Entladungen für sich nutzen

Diese Strategie verfängt nur in Teilen. Der Partei ist es 2021 nicht gelungen, ein Kernthema, wie z.B. 2017 die Flüchtlingskrise zu besetzen. Auch will keine Polarisierung durch Provokationen gelingen. Sowohl die Medien als auch die politische Konkurrenz haben hier dazugelernt.

Die Milieugrenzen wurden 2021, auch durch Corona, verschoben und die Themen der AfD sind nur begrenzt geeignet, um – zumindest im Moment – das Feuer in den Lebenswirklichkeiten zu entzünden. Andere Politikfelder werden dagegen wenig mit der Alternative in Verbindung gebracht. Stark bleibt die Partei allerdings beim Online-Wahlkampf, wenngleich dieser, jedoch zu den typischen verhaltenskapitalistischen Einbettungsmechanismen geführt hat, d.h. es wird vor allem das eigene Klientel erreicht und polarisiert.

Letztendlich bleibt der AfD nur, die eigenen Wähler bei Laune zu halten, was ihr auch gelingen wird, denn hier hilft die Stigmatisierung der Partei, um die eigenen Reihen geschlossen zu halten und so wird der Anti-Establishment-Kurs indirekt von der politischen Konkurrenz befeuert. Auf der anderen Seite verhindert das aber weiteres Wachstum, das ohne ein großes Thema nicht möglich sein wird.

Letztendlich ist es nicht der Wahlkampf der Alternative für Deutschland. Sie stagniert und muss vielmehr auf, für sie, „bessere Zeiten“ hoffen, um ein höheres Ergebnis erzielen zu können. In Anbetracht des kommenden Zeitalters kollektiven Individualismus und all seiner Herausforderungen, könnte dieses aber sehr schnell geschehen, denn auf die westliche Welt und damit auch Deutschland warten stürmische Zeiten.

Prognose für die Bundestagswahl

Die AfD hat sich inzwischen etabliert, besitzt, vornehmlich im Osten des Landes, einen festen Wählerstamm, schafft es Protest- und Nichtwähler zu aktivieren, stagniert aber auch und hat ihm ganzen Wahlkampf kein zündendes Thema gefunden. Das Wahlergebnis wird sich zwischen 9% und 12%, einpendeln.

Veröffentlicht von Erich von Werner Gesellschaft

Die Erich von Werner Gesellschaft ist eine unabhängige Forschungseinrichtung. Sie analysiert politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge sowie Veränderungen und bildet diese in Theorien und Modellen ab. Gleichzeitig erarbeitet sie Lösungen für globale Herausforderungen in einer sich immer schneller wandelnden Zeit. Leiter der Erich von Werner Gesellschaft ist Andreas Herteux.

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